Christian Zschiedrich - meine Vereine

Christian Zschiedrich Union 06
Christian Zschiedrich (links im Bild) als Trainer von Union 06. Foto: Union 06

Wie geht es denn „meinen“ ehemals von mir trainierten Berliner Vereinen? 1972 kam ich wieder nach Berlin. Vorher hatte ich in Duisburg Wedau 1962 bei Dettmar Cramer meine Fußball-Lizenz B als jüngster Teilnehmer und mit einer Sondergenehmigung des DFB gemacht. Meine erste Trainerstelle war sofort im Anschluss bei Viktoria Buchholz, einem Bezirksklassenverein. Beruflich verschlug es mich nach Bonn. Mein Wohnort verlagerte sich nach Waldorf/Remagen am Fuße der Eifel. In Rheinland-Pfalz blieb ich keinen Tag ohne nebenberufliche Trainer-Tätigkeit. Hatte dabei auch einige Erfolge, so u.a. der Aufstieg mit dem VfR Waldorf. Selbst als ich mein Sportlehrerstudium in Mainz vollendete, trainierte ich den dortigen Postsportverein, er war damals der mitgliederstärkste in der Region. Zurück in Berlin nahm ich - trotz mancher Warnungen - sofort ein Angebot am Heckerdamm, bei Hellas Nordwest, an. Die Mannschaft war überaltert und konnte den Abstieg aus der Verbandsliga gerade noch verhindern. Ich muss anschließend vieles richtig gemacht haben. Der Verein erlebte seine Wiedergeburt und mit dem Erreichen des Berliner Pokalfinales gegen Wacker 04 an der Plumpe, den größten Erfolg seiner Vereinsgeschichte. Natürlich verfolge ich bis heute, wo mein Verein derzeit steht. Er lebt, er spielt in der Landesliga, 1. Abteilung, aktuell mit einem 3. Tabellenplatz sehr aussichtsreich dar. In Hennef machte ich bei Karl-Heinz Heddergott meine DFB-A-Lizenz. Ich erhielt vom Spandauer Sportverein, nach Abstieg aus der 2.Liga, das Angebot, die Mannschaft als Trainer in der Oberliga (damals dritthöchste Spielklasse) 1976 zu übernehmen. Tatsächlich gelang es mir, die Mannschaft 1977 wieder an die Tabellenspitze zu führen. Etwas unverständlich, 5 Spiele vor dem Saisonende, wurde ich trotz des sportlichen Erfolgs, wir waren Spitzenreiter, von meinem Vorgänger Lothar Berger, inzwischen Vorsitzender des SSV, entlassen. Den Prozess vor dem Arbeitsgericht gewann ich mit Pauken und Trompeten. Leider ist der SSV im aktuellen Berliner Spielbetrieb in keiner Liga mehr auffindbar. Tragisch, im 122. Jahr des Bestehens wurde der Verein aus dem Vereinsregister gelöscht. Bedauerlicherweise verschwand damit ein Stück Berliner Sportgeschichte und Fußball-Tradition. Mehr als schade. Und wie ging es mit mir weiter…

Ich verstand die Welt nicht mehr, hatte die Nase gestrichen voll vom Trainer-Job und fand Trost bei anderen Trainern: „Klar, das erste Mal, da tut es noch weh“. Ja,ja, der Trainer ist das schwächste Glied im Verein. Auch als geschasster Trainer mit sonst gutem Image gab es genügend Angebote. Doch ich baute mittlerweile gegenüber von Spandau auf der anderen Havelseite. Da rannte mir, dem Bauherrn, der SC Heiligensee die Bude ein. Ich konnte zu dieser Zeit nur noch Trainerämter mit weniger Zeitaufwand (mit wöchentlich zweimal Training) übernehmen. Und der Verein musste in der Nähe sein, am besten direkt vor der Tür. Der sportliche Erfolg setzte sich fort. Mit dem SC Heiligensee gelang eine Sensation. Der Verein aus der C-Klasse warf einen Oberligisten aus dem Pokal. Wann hat es das schon einmal gegeben... Apropos Pokal: Mit dem SSV war ich ein Jahr zuvor noch Berliner Hallen-Pokalsieger geworden. Zur Pokalsensation gab es, gewissermaßen als Zugabe, den Aufstieg. Mit dem SC Tegel fusioniert findet sich der SC Heiligensee als Nordberliner SC in der Berlin-Liga, meist im Mittelfeld platziert, wieder. Beruflich stand wieder mal ein Ortswechsel an. Ich wurde nebenbefruflich Jugendtrainer bei den Reinickendorfer Füchsen und eine Saison später wieder zum Männertrainer des BSC Hota, Sportplatz Reginhardstraße. Ich unterrichtete am Bertha-von-Suttner-Gymnasium in der Reginhardstraße. Dieter Dolgner, in Berlin kein Unbekannter, engagierte sich ebenfalls dort. Nach einer Saison verlor ich den Club aus den Augen. Später verließen viele der guten Spieler den Verein. Inzwischen heißt der Club BSC Reinickendorf und spielt, um mehrere Klassen abgestürzt, in der Kreisklasse C – 1. Abteilung, aktuell Tabellenplatz 5. Mehrere Sponsoren lockten mich zu den Sportfreunden nach Kladow. Zu meinem ersten Training boten die Kladower ganze sechs Spieler auf. Mir ist es heute noch ein Rätsel, weshalb ich den langen Fahrtweg aus Tegel-Ort auf mich nahm. Die Sache hatte sein Gutes. Ich lernte dort meine zweite Frau kennen und sportlich war auch wieder Erfolg da, nämlich der Aufstieg mit der Mannschaft. Der VfB Hermsdorf im Norden Berlins hatte viel mehr zu bieten. Unvergessen bleibt ein Polterabend mit den partylustigen, öfter zum Feiern geneigten Spielern, eine Turnier-Fahrt nach Westdeutschland und regelmäßige Besuche in der Sauna. Eine fehlende profihafte Einstellung zum Fußball bemängelte ich, vielleicht zu oft. Der Aufstieg war auch nicht das Ziel. Dennoch sahen Webers und Co. in der Seebadstraße oft spannenden Angriffsfußball, packende Torszenen und Tore. Zu der Zeit wurde die Entscheidung dringender denn je: Will ich nun weiter Trainer sein oder widme ich mich mehr sportjournalistischen Aufgaben. Die Erfahrung zeigte, beides ging nicht. Über meine Anfänge in den Medien habe ich in meinem Buch „Von Weltkrieg bis Web-TV“ ausführlich berichtet. Wer es genauer wissen will, das Buch kann bestellt werden, einfach eine Mail schreiben, an redaktion@sportick.de.

Christian Zschiedrich

Grafik: Sportick
Grafik: Sportick

Kommentar schreiben

Kommentare: 0