Eisbären retten sich ins Ziel

EHC Eisbären Berlin
Es ging zur Sache ! Foto: Stefan Wenske

Eigentlich waren die Roosters, die stolzen Hähne, bereits gerupft. Es lief die 40. Spielminute, da konnte Kyle Wilson zur 4:1 Führung einnetzen. 11.423 Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit viel Beifall in die letzte Drittelpause. Den Torreigen eröffnete Andre Rankel in der 14. Minute, die Eisbären hatten ein Power Play. Den Ausgleich für die Gäste besorgte Luigi Caporusso kurz vor der ersten Pausensirene. Im Mittelabschnitt schossen die Bären einen beruhigenden 3 Tore Vorsprung heraus. Jonas Müller traf zum 2:1, es war sein erstes Saisontor und ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk. Das 3:1 entsprang einer kuriosen Szene. Unterzahl für die Eisbären, Jamie MacQueen brummte wegen eines Stockschlages in der Kühlbox. Es gab einen Bully im Drittel der Eisbären. Das Anspiel gewann für die Eisbären Daren Olver, doch der rutschte aus. Im Fallen schob er den Puck mit der Hand zu Barry Tallackson. Der zog auf und davon, hatte nur noch den Goalie vor sich, zog ab und der Puck zappelte in den Maschen. Die Iserlohner hatten das Spielen eingestellt, erwarteten eine Spielunterbrechung. Zu erklären ist die Szene nur durch einen Blick ins Regelbuch. Zur Anwendung kamen hier die Regeln 59 und 74 des IIHF Official Rule Book. Den Puck mit der Hand zu spielen ist im eigenen Drittel erlaubt. Beim Bully darf der Puck nur mit dem Schläger erkämpft werden, ein Einsatz der Hand wäre regelwidrig. Die Schiedsrichter werteten den Einsatz der Hand als neue Spielsituation, das Anspiel war zuvor regelkonform vollzogen worden. Die Iserlohner, vor allem Trainer Gari Parsanen, sahen das anders und protestierten heftig. Wie dem auch sei, es gibt Situationen, die sind Sache der Auslegung. Man sollte niemals das Spielen einstellen, wenn die Schiedsrichter nicht unterbrochen haben. Das Tor zählte, der Interessierte kann selbst im Regelbuch nachlesen und mit dem Gesehenen vergleichen. Darin Olver wurde verspätet ein Scorerpunkt für Vorlage per Hand ins Protokoll geschrieben. Mit Beginn des letzten Spieldrittels wechselte Gari Parsanen den Torhüter. Für Matthias Lange stand Chet Pickard. Knapp 2 Minuten war der Schlussabschnitt, da gab eine Prügelei in deren Folge 5 Spieler der Roosters und 4 Eisbären bestraft werden mussten. Für Iserlohns Bradley Ross war das Spiel beendet. Eisbären-Verteidiger Jonas Müller, am Vorabend seines 21. Geburtstages, lieferte sich eine Prügelei mit Ex-Eisbär....

Foto: Stefan Wenske
Foto: Stefan Wenske

(von 2001 - 2003) Boris Blank. „Ich musste doch meine Mannschaft schützen..“, so seine Aussage nach dem Spiel. Dass Blank, Geburtsjahrgang 1978, einer höheren Gewichts- und Altersklasse angehört, locker sein Vater sein könnte, hat ihn nicht gestört. Die Eisbären hätten mit Treffer Nummer 5 den berühmten Sack zu machen können. Es gelang nicht, stattdessen fiel der 2. Treffer für die Sauerländer, Torschütze Troy Milan in der 51. Minute. Sie schienen die berühmte zweite Luft zu bekommen. Es wurde wieder spannend, zumal bei den Eisbären die Kräfte schwanden. Die 4. Reihe kam nicht mehr zum Einsatz. Unmittelbar vor dem Anschlusstreffer hatte Uwe Krupp eine Auszeit genommen und Milans Treffer fiel 23 Sekunden später. Dafür war die Auszeit nicht gedacht. Es war Glück für die Eisbären, dass Treffer Nummer 3 für Iserlohn erst 29 Sekunden vor der Schlusssirene fiel. Buchstäblich mit dem letzten Tropfen erreichten die Eisbären das Ziel. Drei wichtige Punkte waren unter Dach und Fach, durchatmen bei den Eisbären. Angesichts der angespannten Personalsituation ein wichtiger Sieg. Uwe Krupp musste neben den Langzeitverletzten Laurin Braun, Marcel Noebels und Frank Hördler zusätzlich auf Center Julian Talbot verzichten. Die erste Reihe ließ er unverändert. Am Sonntag haben die Eisbären spielfrei. Das nächste Spiel bestreiten sie am Dienstag in Mannheim.

Hans-Peter Becker

 

Stimmen

Jari Parsanen

Wir haben bis zur 40. Minute nicht die Intensität in unserem Spiel gefunden, die notwendig gewesen wäre, um bei den Eisbären gewinnen zu können. Vehanen schien im 1. Drittel etwas verunsichert zu sein, hat sich dann aber gesteigert. Die Eisbären haben gut verteidigt und uns das Leben schwer gemacht. Zu dem kuriosen 3. Tor der Eisbären ist zu sagen, dass wir es so gesehen haben, dass sich Olver mit der Hand bei der Ausführung des Bullys einen nicht erlaubten Vorteil verschafft hat. Wie es auch sei, man darf nicht einfach aufhören zu spielen. In der letzten Drittelpause hatten wir ein erfrischendes Gespräch, haben den Torwart gewechselt und es stand eine neue Mannschaft auf dem Eis. Ich war überrascht, dass so etwas im Profibereich möglich ist.

Uwe Krupp

Gegen Iserlohn sind es immer enge Spiele. Insgesamt bin ich mit der gezeigten Leistung zufrieden. Wir haben hintereinander 2 Mannschaften geschlagen, die in der Tabelle hinter uns stehen. Das war wichtig. Am Schluss hat Iserlohn mächtig Druck gemacht. Wir waren dann etwas müde, haben über weite Strecken nur mit 3 Reihen gespielt. Zu dem Tor von Barry Tallackson ist sagen, entscheidend ist, was der Schiedsrichter sieht.

 

Jonas Müller (Eisbären-Verteidiger und Torschütze zum 2:1)

Ich habe es zuerst garnicht so genau gesehen, dass der Puck drin war, weil direkt vor mir ein Gegenspieler stand. Die Auszeit war eigentlich dazu da, dass wir uns erholen. Wir hätten das Bully nicht so klar verlieren dürfen. Unsere Konzentration war nicht da. Zu dem Tor von Tallackson ist sagen, ein reguläres Tor. Man darf den Puck im eignen Drittel mit der schieben, man darf ihn nur nicht werfen oder im Handschuh verstecken. Wir haben eben weitergespielt und der Gegner nicht. Ein bisschen werden wir meinen Geburtstag (am 19.11. Anm. der Redaktion) feiern, dabei nicht übertreiben, am Sonntag ist wieder Training und am Dienstag ein schweres Spiel in Mannheim.

 

Spieldaten

Ort MB Arena Berlin

18.11.2016 19:30 Uhr

Zuschauer 11.324

Schiedsrichter Aumüller, Hurtik

Eisbären Berlin

1. Reihe Wilson, Rankel, Tallackson, Müller, Gervais

2. Reihe Olver, Busch, Petersen, Baxmann, Wissman

3. Reihe MacQueen, Fischbuch, Machacek, C. Braun, DuPont

4. Reihe Jahnke, Hessler, Ziegler, Adam

Trainer Uwe Krupp

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