Hertha BSC - Erfolg durch Image oder umgekehrt?

Christian Zschiedrich, Foto: SportickTV
Christian Zschiedrich, Foto: SportickTV

Viele Berliner fragen sich, was ist denn mit Hertha los. Erstmals seit 53 Jahren startete Hertha BSC, wie Bayern München mit zwei Siegen, steht mit 6 Punkten nach 2 Spielen auf Tabellenplatz 2! In den Medien wird Hertha als der Bayern-Jäger hochstilisiert. Da bleibe ich lieber der Realist und spreche Klartext. Die Auftaktbegegnung wurde zum Glück, in allerletzter Sekunde der Nachspielzeit, zu Hause, gegen Aufsteiger SC Freiburg 2:1 gewonnen. Gut so! Das sind Punkte, die am Ende ausschlaggebend sein können. Pal Dardai hielt gegen Ingolstadt an seinen Siegertypen fest. Im letzten Jahr startete Hertha mit vier Punkten, einem Sieg und einem Remis. Das alles hat allerdings noch keine entscheidende Aussagekraft, wie die Saison weiter verlaufen und wo Hertha am Ende stehen wird. Im Pokal war das Weiterkommen gegen Jahn Regensburg erst durch Glück im Elfmeterschiessen gesichert.

Hertha war an dem im Horst Hrubesch-Team bei Olympia überragend spielenden 21jährigen Serge Gnabry interessiert. Als ich das hörte, war ich voller Hoffnung. Werder Bremen bekam ihn. Das verstehe, wer will. Berlin ist eine attraktive Stadt, so äußern sich Spieler, die für Union oder Hertha neu verpflichtet werden konnten. Wie andere europäischen Hauptstädte könnte Berlin zwei Clubs in der ersten Liga vertragen. Union wäre aus dieser Sicht der Aufstieg zu wünschen. Hertha wäre mehr Klasse zu wünschen. Serge Gnabry (21), ein Spieler mit glänzender Perspektive, war beim FC Arsenal nicht groß in Erscheinung getreten, zwischenzeitlich an einen anderen Club ausgeliehen. Bei Olympia spielte sich Gnabry unter Horst Hrubesch plötzlich ins Rampenlicht, wurde mit sechs Treffern bester Torschütze. Vorsichtig geschätzt war die halbe Bundesliga, so auch Hertha BSC, an ihm interessiert. Man munkelte, ...

Bayern München würde ihn kaufen und zunächst an Werder Bremen ausleihen. Werder kaufte Gnabry – geschätzt für etwa 5 Millionen - nun selbst oder? Bei seinen bisherigen Londoner Mannschaftskollegen Mesut Özil und Per Mertesacker erkundigte sich sogar Bundestrainer Joachim Löw und bekam nur Gutes berichtet. Mertesackers Empfehlung an Gnabry nach Bremen zu gehen, war wohl mitentscheidend. Im Gespräch eine  Stammplatz-Garantie, denn er brauche unbedingt Spielpraxis. Die hätte er, wenn es nicht nur ums Geld ging, auch in Berlin haben können. Hertha will den nächsten Schritt tun, sportlich attraktiver werden, dabei neue Fans gewinnen. Insider befürchten, dass  Mittelmaß und der Klassenerhalt gerade mal das Maß aller Dinge sind. Von wegen Bayern München jagen. Ich habe nichts dagegen, wenn der gute Saisonstart zur Initialzündung wird und Hertha, wie in der Hinrunde der letzten Saison, Siege gegen talentiertere Teams einfährt. Es könnte auch sein, dass sie bald wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden. Hertha hat seine treuen Fans, nur schleppend kommen neue dazu? Die Spitzenspiele gegen Dortmund und Bayern sind natürlich stets ausverkauft, das liegt nur zum Teil an Hertha.

Eine Werbekampagne soll da mithelfen. „We try. We fail. We win“ - kein Witz, das ist Herthas neuer Slogan. Was soll dass heißen - versuchen, scheitern, gewinnen? Hertha hat das früher schon mal auf Englisch probiert „Play Berlin“. Das war, wenn auch verständlicher, genau so ein heißer Scheiß. Kriegst Du so die Hipster ins Stadion? Ein Glück, dass wenigstens die Fußballprofis was Gutes ablieferten. Spielt einfach richtig gut Fußball! Und bemüht euch, da wo ihr zu Hause seid, menschlich um jeden Zuschauer. Sitzt da wer auf einem hohen Ross?

https://www.youtube.com/watch?v=wdNnLLsMiuI

Christian Zschiedrich

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